Die Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus ist auf der ganzen Welt im Vormarsch. Gemäss Schätzungen der Internationalen Diabetes Föderation (IDF) leiden in Europa etwa 60 Mio. Personen an Diabetes, weltweit sind es 463 Mio. Bis ins Jahr 2045 werden in Europa vermutlich etwa 68 Mio. und weltweit 700 Mio. an Diabetes erkrankt sein.

Zugegeben: Die Diagnose überrascht und erschreckt erst einmal. Sie werden mit einer unerwarteten Situation konfrontiert und wissen nicht genau, was auf Sie zukommt, und wie sich Ihr Alltag in Zukunft gestalten wird. Aber eines unterscheidet den Diabetes doch von allen anderen Krankheiten: Auf Ihre Einstellung kommt es an! Damit ist nicht nur Ihr Blutzuckerspiegel gemeint, sondern auch und vor allem Ihr Verhältnis zur Erkrankung und Ihre Art, mit der Krankheit umzugehen. Nur bei wenigen anderen Erkrankungen können Sie selbst durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten einen so grossen persönlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität leisten wie beim Diabetes mellitus.

Die strengen Regeln, die Zuckerkranke, wie sie früher auch noch häufig genannt wurden, in der Vergangenheit belastet haben, gelten heute nur noch eingeschränkt, denn Diabetiker sind eigentlich nur «bedingt krank».

Was ist Diabetes?

Ein erwachsener Mensch besteht zu etwa 1% aus unterschiedlichen Zuckermolekülen. Diese Zuckermoleküle, oder auch Kohlenhydrate genannt, sind nicht nur Bestandteile vieler Zellen und Gewebe, sondern auch wichtige Energielieferanten. Das Gehirn des Menschen gewinnt seine Energie ausschliesslich aus Zucker, den das Blut ständig zur Verfügung stellen muss.

Diabetes mellitus, der Fachausdruck für «Zuckerkrankheit», ist eine Stoffwechselerkrankung, die heute schon viele Menschen betrifft und weltweit stark zunimmt.

Diabetes mellitus bedeutet in direkter Übersetzung «honigsüsser Durchfluss». Damit gemeint ist die Ausscheidung von Zucker über den Urin. Bei dieser Störung des Stoffwechsels versagt die Steuerungsfunktion des Hormons Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und für die Regulierung der Zuckerkonzentration im Blut verantwortlich ist.

Insulin ist lebensnotwendig und nicht ersetzbar, denn es ist das einzige Hormon des Körpers, das den Blutzuckerspiegel konstant halten kann.

Insulin transportiert den Zucker (Glukose) in die Muskelzellen und in die Leber, wo die Zuckermoleküle als Glykogen gespeichert, respektive für den Energiestoffwechsel gebraucht werden. Dadurch bewegt sich die Blutzuckerkonzentration beim Gesunden immer in einem sehr engen Bereich. Weiterhin hemmt Insulin die körpereigene Bildung von Glukose in der Leber (Glukoneogenese) und sorgt dafür, dass der Körper Energievorräte in Form von Fett und Stärke anlegen kann.

Verschiedene Formen von Diabetes

Typ 1-Diabetes
Beim Diabetes mellitus Typ 1 kommt die körpereigene Produktion von Insulin in der Bauchspeicheldrüse vollständig zum Erliegen. Dies geschieht durch körpereigene Eiweisse, sogenannte Antikörper, die die insulinproduzierenden ß-Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstören. Man spricht deshalb von einer Autoimmunerkrankung. Davon betroffen sind vor allem jüngere Menschen.

Typ 2-Diabetes
Wenn Insulin nicht mehr in ausreichender Menge gebildet wird, oder wenn die Wirkung des Insulins im Körper gestört ist, so spricht man von einem Diabetes mellitus Typ 2.

Bei Typ 2-Diabetes ist Insulin zwar noch vorhanden, aber die Körperzellen sind «insulinresistent», das heisst zu wenig empfindlich für das Insulin.

Die Hauptgründe für die Entwicklung eines Typ-2 Diabetes, die häufigste Form der Zuckerkrankheit, sind eine genetische Veranlagung, Überernährung oder zu hohe Kalorienzufuhr, Übergewicht und zu wenig Bewegung. Deshalb sind bei der Therapie des Diabetes neben der Kontrolle des Blutzuckerspiegels auch die Kontrolle der Blutfette, des Blutdrucks, eine gesunde Lebensweise sowie der Verzicht aufs Rauchen von grösster Bedeutung. Je korpulenter ein Typ 2-Diabetiker ist, desto schlechter wirkt das noch vorhandene Insulin.

Schwangerschafts-Diabetes
Diese Art von Diabetes tritt während der Schwangerschaft auf und bildet sich nach der Entbindung meist vollständig zurück. Oft liegt bei den betroffenen Frauen neben einer starken Körpergewichtszunahme eine genetische Veranlagung für einen Typ 2-Diabetes vor. Deshalb sollten betroffene Frauen nach der Schwangerschaft immer wieder einmal eine Blutzuckerkontrolle
durchführen lassen.

Es existieren noch weitere Diabetesformen, welche aber sehr viel seltener vorkommen.

Wie erkennt man Diabetes?

Bei Insulinmangel steigt der Zuckerspiegel im Blut so stark an, dass die sogenannte Nierenschwelle überschritten und Zucker über die Niere mit dem Urin ausgeschieden wird. Wenn Zucker im Urin auftritt, steigt die Urinmenge stark an, weshalb die Betroffenen vermehrt Wasser lassen müssen (Polyurie) und gleichzeitig unter starkem Durst leiden (Polydipsie).
Der Typ 2-Diabetes wird häufig erst nach Jahren festgestellt, z.B. im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung oder wenn die ersten Komplikationen auftreten, wie z.B. schlecht heilende Wunden und Sehstörungen.

Die Diagnose Diabetes mellitus wird gestellt, wenn der Blutzucker im Plasma gemessen, nüchtern über 7.0mmol/l liegt.
Auch mit einer Zuckerkonzentration im Blut von über 11.1mmol/l, irgendwann im Verlauf des Tages gemessen oder nach einem oralen Glukosebelastungstest (oGTT), kann Diabetes vorliegen. Bei nicht eindeutigen Werten ist eine zweite Messung zur Diagnosestellung notwendig. Weiter kann ein Diabetes auch mit einem erhöhtem HbA1c Wert von 6.5% festgestellt werden.

Wer durch familiäre Belastung mit Typ 2-Diabetes oder aufgrund anderer Risikofaktoren (Übergewicht, Bewegungsmangel, Hormon- und Stoffwechselstörungen) als gefährdet gilt, sollte nach dem 40. Lebensjahr seinen Blutzucker regelmässig messen lassen.

HbA1c und Blutzucker

Ein wichtiger Parameter bei Diabetikern ist das glykosylierte (verzuckerte)
Hämoglobin A1c (HbA1c). Das Hämoglobin ist Bestandteil der roten
Blutkörperchen. Zucker wird im Blut zum Teil sehr fest an das Hämoglobin gebunden. Durch die Messung des HbA1c wird festgestellt, wie gross der Anteil des Hämoglobins ist, der an Zucker gebunden ist. Dieser Anteil wird in Prozent angegeben. Je höher das HbA1c bei der Messung ist, umso schlechter war die Blutzuckereinstellung der letzten drei Monate.

Ihre Zielwerte

Der Arzt wird mit Ihnen Ihre individuellen Zielwerte für den Blutzuckerspiegel und den HbA1c-Wert bestimmen. Diese Werte können je nach Alter, Dauer der Diabetes-Erkrankung und anderen Risikofaktoren unterschiedlich sein.

Insulin - ein wichtiges Hormon

Damit die Muskelzellen und die Leber Zucker (Glukose) aus dem Blut aufnehmen können, braucht es Insulin.

Insulin ist ein körpereigenes Hormon, welches nur in den ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet und je nach Bedarf in Blut abgegeben wird.

Wie ein Schlüssel öffnet das Hormon Kanäle in den Zellmembranen (Zellwänden), durch die die Glukose ins Zellinnere aufgenommen werden kann. So sorgt Insulin nicht nur für die Energieversorgung der Zellen, sondern auch für einen konstanten Blutzuckerspiegel.

Produziert die Blutspeicheldrüse zu wenig Insulin, kann nur wenig Glukose von den Zellen aufgenommen werden. Die Folge ist, dass zu viel Zucker im Blut bleibt und somit der Blutzuckerspiegel ansteigt.

Typ 1-Diabetes

Beim Typ 1-Diabetes kann der Körper kein eigenes Insulin mehr produzieren. Typ 1-Diabetes müssen daher immer Insulin spritzen.

Auslöser

Beim Typ 1-Diabetes bildet der Körper durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems Antikörper gegen die eigenen insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (ß-Zellen). Der Zerstörungsprozess der ß-Zellen läuft über einige Zeit unbemerkt ab. Er wird erst aufgrund von typischen Diabetes-Symptomen (Durst, Harndrang etc.) bemerkt, wenn schon 70 bis 90% dieser insulinproduzierenden ß-Zellen zerstört sind.


Die Ursachen des Typ 1-Diabetes sind bis heute nicht geklärt, es wird aber  vermutet, dass neben einer gewissen genetischen Veranlagung eine Infektion mit bestimmten Viren und/oder Umweltfaktoren bei dieser gegen die eigenen Körperzellen gerichteten Immunreaktion (Autoimmunerkrankung) eine Rolle spielen.

Wer ist betroffen?

Betroffen sind meist Menschen, die unter 40 Jahre alt und normalgewichtig sind.

Symptome

Anzeichen eines manifesten Diabetes aufgrund der Funktionsuntüchtigkeit der
insulinproduzierenden ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse sind:

  • Polydipsie (starker Durst)
  • Polyurie (gesteigerter Harndrang)
  • Leistungsabfall, Müdigkeit und
  • Erschöpfungszustände
  • Gewichtsverlust
  • Erhöhte Infektanfälligkeit

Typ 2-Diabetes

Der Typ 2-Diabetes ist die häufigste Form der «Zuckerkrankheit». Etwa 90% aller Diabetiker leiden an einem Typ 2-Diabetes.

Auslöser

Die insulinproduzierenden ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse produzieren zwar noch Insulin, dieses reicht jedoch nicht mehr aus, um den Zucker resp. die Fette in die entsprechenden Gewebe aufnehmen zu können. Die Zellen sind unempfindlich gegenüber Insulin. Man spricht deshalb auch von einer «Insulinresistenz».

Die Bauchspeicheldrüse versucht nun, diese verminderte Wirkung des Insulins durch eine gesteigerte Produktion von noch mehr Insulin auszugleichen. Durch diese Mehrbelastung kommt es zur Erschöpfung und schliesslich zum Erliegen der körpereigenen Insulinproduktion.

Das Risiko, an einem Typ 2-Diabetes zu erkranken, wird vererbt. Damit es zum Ausbruch eines Typ 2-Diabetes kommt, müssen «auslösende Faktoren» wie:

  • Übergewicht (90% aller Typ 2-Diabetiker sind übergewichtig),
  • Bewegungsmangel und
  • Alter

hinzukommen, die vor allem für die verminderte Insulinwirkung verantwortlich sind.

Symptome

Meist verläuft der Typ 2-Diabetes über viele Jahre ohne jegliche Symptome. Die Krankheit wird oft erst bei einer Routineuntersuchung erkannt. Auch wenn Komplikationen wie z.B. schlechte Wundheilung oder Sehstörungen auftreten.

Die Ziele der Behandlung

Mit einer gezielten Behandlung sollen Spätschäden vermieden sowie eine gute Lebensqualität erhalten bleiben. Zu viel Zucker (Glukose) im Blut und somit ein Diabetes mellitus ist kein harmloser Laborbefund, sondern die Grundlage auf der sich verschiedene ernste Erkrankungen ausbilden können.

Hohe Blutzuckerspiegel selbst tun nicht weh. Ihre Folgen aber bedrohen nicht nur Ihre Lebensqualität, sondern sie gefährden Ihre Gesundheit.

Heute ist gesichert, dass durch eine Optimierung der Diabeteseinstellungen das Auftreten von diabetischen Folgeschäden verringert werden kann. Daher ist es wichtig, dass bei Patienten mit Diabetes mellitus möglichst optimale Blutzuckerspiegel und Blutdruckwerte erreicht werden. Daneben sollten auch die Blutfette regelmässig kontrolliert und gegebenenfalls gesenkt werden.

Zielwerte der Diabetestherapie

Die Zielwerte für den Blutzucker, den HbA1c-Wert1, das Gewicht, den Blutdruck und die Blutfettwerte sind individuell. Sie werden vom Arzt mit dem Patienten einzeln festgelegt und richten sich nach Alter, Dauer der Diabetes-Erkrankung, bestehenden Erkrankungen, anderen Risikofaktoren, etc.

 

1HbA1c ist eine Messgrösse, mit der durch eine aktuelle Messung Rückschlüsse
auf die durchschnittliche Blutzuckerkonzentration während der letzten 3 Monate
gezogen werden kann (Blutzucker-Gedächtnis).

Folgeerkrankungen verhindern

Beide Diabetes-Typen können Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Diese chronischen Komplikationen sind schwer oder gar nicht umkehrbar und treten bei bis zu 80% der schlecht eingestellten Diabetiker auf. Der Schweregrad ist dabei abhängig von weiteren individuellen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten, Rauchen oder Übergewicht.


Eine europaweite Studie (CODE-2 «Cost of Diabetes in Europe» für Typ 2-Diabetes, Erhebung 1998) zeigt das Ausmass gravierender Folgeerkrankungen bei Typ 2-Diabetes.

Diabetische Veränderungen können an verschiedenen Organen auftreten. Besonders betroffen sind die Augen, die Nieren, das Nervensystem, das Herz- und das Gefässsystem.

Die Erkrankung der grossen Gefässe, die Makroangiopathie, ist typisch für den Typ 2-Diabetes. Sie verläuft wie eine frühzeitig auftretende schwere Arteriosklerose. Ein Gefässverschluss kann zu Herzinfarkt und Schlaganfall, aber auch zu Schmerzen in den Beinen und schliesslich zu Amputationen führen.

Die Erkrankung der kleinen Blutgefässe, die Mikroangiopathie, gefährdet vor allem die Augen und die Nieren. Sie ist typisch für den Typ 1-Diabetes.

Diabetische Retinopathie (Augenerkrankung)

An der Netzhaut des Auges kann es zu Veränderungen der Blutgefässe kommen, die das Sehen beeinträchtigen und in schweren Fällen zur Erblindung führen. Sie erfordern häufig die Behandlung mit Laserstrahlen, allenfalls die chirurgische Intervention am Glaskörper.

Diabetische Nephropathie (Nierenerkrankung)

Die Nieren verlieren durch einen schlechten eingestellten Diabetes ihre Filterfunktion und werden durchlässig für Eiweisse. Im fortgeschrittenen Stadium kann dies bis zu einer Dialyse (Blutwäsche) oder einer Nierentransplantation führen.

Diese chronische Komplikation bei Diabetikern lässt sich durch eine optimale Einstellung des Blutzuckers einerseits und des Blutdrucks andererseits vermeiden. Zudem sollte der Urin durch Ihren Hausarzt einmal jährlich auf Eiweisse untersucht werden (Mikroalbuminurie).

Herz-Kreislauf- Erkrankung

Diabetiker sind zwei bis drei Mal häufiger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen als Menschen mit gesundem Stoffwechsel. Erheblich mehr Diabetiker mit erhöhtem Blutdruck erleiden Schlaganfälle, Herzinfarkte, Herzversagen oder eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Die Risiken können durch Behandlung des Bluthochdrucks erheblich vermindert werden. Der optimale Blutdruckwert ist je nach Alter, Dauer der Diabetes-Erkrankung, weiteren Erkrankungen und Risikofaktoren von Patient zu Patient unterschiedlich.

Diabetische Neuropathie (Nervenerkrankung)

Die Erkrankung der Nerven kann alle Teile des Nervensystems betreffen. Eine Störung der Nerven tritt vor allem in den Füssen und Beinen auf und äussert sich als eigenartige Empfindungen wie Ameisenkribbeln, pelziges und taubes Gefühl oder Brennen, aber auch als Verlust von Schmerz- und Temperaturwahrnehmung. Dabei sind besonders die Füsse gefährdet, weil kleine Verletzungen leicht unbemerkt bleiben.

Störungen der autonomen (selbstständigen) Nervensystems können in praktisch allen Organsystemen auftreten. Ist das Herz-Kreislauf-System betro!en, äussert sich dies in Regulationsstörungen des Herzschlags und des Blutdrucks, im Verdauungstrakt kommt es zu «Magenlähmung», Durchfall und Verstopfung, in den Harn- und Geschlechtsorganen treten Blasenstörungen und Potenzprobleme auf.

Besonders schwerwiegende Folgen der Neuropathie sind der diabetische Fuss und der «schmerzlose» Herzinfarkt, der zum Herztod führen kann.

Checkliste Nervenerkrankungen

Das können Sie tun:

  • Nervenschädigende Einflüsse vermeiden (Alkohol, Rauchen etc.)
  • Blutzucker gut einstellen
  • Tägliche Inspektion der Arme und Beine (Verletzungen, Pelzigkeit, Kribbeln)
  • Selbstbeobachtung bezüglich Hell-Dunkel-Anpassung der Augen
  • Wahrnehmung von Unterzuckerung
  • Wahrnehmung von Blasenentleerungsstörungen oder wiederholten Blasenentzündungen
  • Wahrnehmung von Völlegefühl, Schwindel beim Aufstehen etc.

Der diabetische Fuss

Ursache für eine Fussverletzung ist meist ein Ereignis, dem geringe Bedeutung zugemessen wird. Beispielsweise Druckstellen durch zu enge Schuhe oder Verletzungen bei der Fusspflege. Die Nervenschädigung (Neuropathie) verhindert, dass solche Verletzungen rechtzeitig verspürt und der Fuss geschont wird. Jetzt kann eine gefährliche Kettenreaktion beginnen.

Viele Amputationen könnten verhindert werden, wenn Diabetiker bzw. deren Angehörige regelmässig die Füsse auf Verletzungen hin untersuchen würden.

Ernährung und Diabetes

Die richtige Einstellung von Diabetikern spiegelt sich nicht nur in guten Blutzuckerwerten wider, sondern auch in einem niedrigeren HbA1c-Wert, in niedrigeren Cholesterin- und Trigylzeridwerten, in einem angemessenen Körpergewicht und in einer altersentsprechenden körperlichen Belastbarkeit.

Dass die Zahl der Typ 2-Diabetiker in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat, ist zu einem grossen Teil auf die Zunahme der Fettleibigkeit (Adipositas) in der Bevölkerung zurückzuführen. Rund 60% der neu entdeckten Diabetiker sind mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 30kg/2m krankhaft übergewichtig. Jedes Kilogramm weniger senkt den Blutzuckerspiegel und verbessert die Stoffwechsellage. Speziell das Bauchfett sollte abgebaut werden, denn durch die «Stammfettsucht» (Apfelform) der Adipositas wird das Überangebot an Insulin im Blut erhöht. Im Gegensatz dazu ist die Hüftfettsucht (Birnenform) weniger bedenklich bezüglich des Arteriosklerose-Risikos.

Body-Mass-Index (BMI)

Mit dem Body-Mass-Index kann man das Körpergewicht beurteilen. Werte unter 20kg/m sind zu niedrig, Werte über 25kg/m sind zu hoch. So können Sie Ihren BMI berechnen:

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Unsere Ernährung enthält oft viel Zucker, zu viel Fett und zu wenig Nahrungsfasern.

Mit einer ausgewogenen Ernährung werden 45–55 % der Gesamtenergie durch Kohlenhydrate, 20–35 (max. 40)% durch Fette, der Rest durch Proteine (mageres Fleisch, fettreduzierte Milchprodukte, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte) abgedeckt.

Achten Sie beim Fett nicht nur auf die sichtbaren Fette, sondern auch auf die versteckten Fette, wie sie z. B. in Chips, Fleisch, Wurstwaren, Rahm vorkommen. Wählen Sie hochwertige Pflanzenöle (z. B. Rapsöl, Olivenöl), Nüsse und fetter Fisch, denn diese Nahrungsmittel liefern gute Fette. Versuchen Sie Ihren täglichen Fettkonsum auf 60–80g zu begrenzen.

Stärke ist das wichtigste Kohlenhydrat in der Ernährung des Menschen. Als komplexes Kohlenhydrat wird Stärke langsamer verdaut als Haushaltszucker (Saccharose) oder als Einfachzucker (Traubenzucker). Entsprechend verzögert steigt der Blutzuckerspiegel an.
Lebensmittel mit einem hohen Stärke- und Nahrungsfasersto!anteil sollten von Diabetikern bevorzugt werden. Stärkehaltig sind alle Vollgetreidearten und die daraus hergestellten Produkte wie Brot, Teigwaren, Getreideflocken, Reis und Mais. Viel Stärke ist auch in Kartoffeln, Kastanien und Hülsenfrüchten enthalten.

Früchte enthalten von Natur aus Frucht- und Traubenzucker. Mit Mass konsumiert, haben sie in einer ausgewogenen Ernährung bei Diabetes einen wichtigen Platz. Früchte liefern uns wichtige Vitamine (z.B. Vitamin C), Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und nicht zuletzt auch Nahrungsfasern.

Nahrungsfasern wirken sich günstig auf den Blutzuckerspiegel aus. Daneben bereichern Vollkornprodukte, Früchte und Obst sowie Salat und Gemüse unsere tägliche Ernährung.

Pflanzliche Öle versorgen den Körper mit lebensnotwendigen (essentiellen) ungesättigten Fettsäuren. Besonders die günstigen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren haben einen positiven Effekt auf den Blutfettspiegel und das Herzkreislaufrisiko.Pflanzenöle werden aus Samen und Früchten ölhaltiger Pflanzen gewonnen.

Essen Sie zu jeder Hauptmahlzeit ein proteinreiches Lebensmittel. Pro Tag werden 3 Portionen Milch/Milchprodukte empfohlen sowie zusätzlich täglich 1 Portion eines weiteren proteinreichen Lebensmittels (z.B. Fleisch, Fisch, Eier, Tofu, Quorn, Seitan, Käse, Quark). Zwischen diesen Proteinquellen abwechseln. Alkohol und Kochsalz hingegen sollten nur in geringem Masse auf dem Speiseplan von Diabetikern stehen.

Bildquelle: Schweizer Lebensmittelpyramide. - Empfehlungen zum ausgewogenen und genussvollen Essen und Trinken für Erwachsene.
©Schweizer Gesellschaft für Ernährung SGE, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV/2014

Die Basistherapie

Die Säulen der Basistherapie beim Diabetes sind: Schulung, körperliche Bewegung, Ernährungstherapie (diabetesgerechte Ernährung) und Nichtrauchen.

 

Schulung

Schulungsprogramme zur Förderung der Stoffwechsel-Selbstkontrolle tragen nachweislich zur Besserung von Stoffwechselstörungen und Wohlbefinden bei.

Je mehr Sie als Diabetiker über Ihre Erkrankung wissen, umso leichter können Sie darauf Einfluss nehmen.

Körperliche Bewegung

Durch Bewegung können Sie zweifach profitieren: Zum einen gilt Übergewicht als zusätzlicher Risikofaktor für diabetische Spätschäden, zum anderen senkt eine Gewichtsreduktion immer auch den Insulinbedarf. Dies kann soweit gehen, dass bei Frühformen von Typ 2-Diabetes eine Gewichtsreduktion sogar die medikamentöse Therapie überflüssig machen oder zumindest hinauszögern kann.

Unter körperlicher Arbeit funktioniert der insulinabhängige Glukosetransport in die Zellen besser, so dass in den Zeiten vor einer medikamentösen Therapie Sport als gezielte Therapie zur Senkung des Blutzuckers eingesetzt wird.

Diabetesgerechte Ernährung

Die diabetesgerechte Ernährung ist immer den individuellen Bedürfnissen des einzelnen Patienten angepasst. So braucht ein Diabetiker ohne blutzuckersenkende Medikamente eine kalorien- und zuckerreduzierte Kostform. Ein Diabetiker mit einer intensivierten Insulintherapie hingegen ist kaum irgendwelchen Einschränkungen unterworfen. Ein Diabetiker kann heute in Abhängigkeit von seinen Blutzucker-Zielwerten und von seinem Gewicht essen, was immer er mag, er muss aber die Auswirkungen der einzelnen Nährstoffe auf seinen Blutzucker kennen.

Weitere Informationen zur Ernährung mit Diabetes finden Sie in unseren Ernährungstipps:

Alkohol und Diabetes

Diabetiker dürfen Alkohol mit Mass trinken, müssen dabei aber einige Regeln beachten:

Bier enthält Malzzucker, süsse Weine und auch Liköre enthalten Fruchtzucker. Das kann zu
Blutzuckererhöhungen, aber auch zu Blutzuckerabfällen führen.

Orale Antidiabetika oder eine Insulinzufuhr von aussen beschleunigen ebenfalls die Zuckeraufnahme in die Zellen mit der Folge, dass der Blutzuckerspiegel noch weiter absinkt.

Die medikamentöse Therapie

Orale Antidiabetika (Tabletten) zur Behandlung des Typ 2-Diabetes

Kann trotz Ausschöpfung der Mittel der Basistherapie nach 3 Monaten das individuelle Therapieziel bei Typ 2-Diabetikern nicht erreicht werden, kommen orale Antidiabetika zum Einsatz.Tabelle-orale-Antidiabetiker.jpg

Wichtige blutzuckersenkende Medikamente

Orale Antidiabetika werden oft aufgrund ihrer unterschiedlichen Angriffspunkte im Organismus kombiniert eingesetzt. Die Kombinationstherapie wird angewendet, wenn eine Monotherapie nicht zum Erreichen des gewünschten Zielwertes geführt hat. GLP-1-Analoga sind Wirkstoffe, die ebenfalls bei Diabetes Typ 2 eingesetzt werden. Ihr grosser Vorteil ist, dass sie tendenziell gewichtssenkend wirken. Sie müssen allerdings subkutan gespritzt werden.

Die Insulin - Therapie

Die verschiedenen Insuline müssen bei Diabetikern in der für sie geeigneten Form eingesetzt werden. Dafür gibt es im Wesentlichen drei Methoden:

Die konventionelle Insulin-Therapie

Hierbei spritzen sich Diabetiker zwei oder drei Mal täglich eine definierte Menge Mischinsulin subkutan, die auf die individuelle Ernährung abgestimmt werden muss. Essenszeiten müssen eingehalten werden, und die Menge an gespritztem Insulin muss mit der Menge an zu verzehrenden Kohlenhydraten übereinstimmen, um Blutzuckerentgleisungen zu vermeiden.

Die Basis-Bolus-Therapie (BBT) oder intensivierte konventionelle Therapie (ICT)

Bei dieser Insulin-Therapie sind sowohl die Menge der Kohlenhydrate als auch der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme variabel, was dem Diabetiker eine grössere Freiheit einräumt. Durch diese intensivierte konventionelle Therapie versucht man, die natürlichen Verhältnisse der Insulinausschüttung so gut wie möglich nachzuahmen.

 

In der Regel wird ein bis zwei Mal täglich ein Depot-Insulinanalogon gespritzt, dazu zusätzlich vor jeder Mahlzeit ein schnellwirkendes Insulinanalogon. Dessen Menge ist abhängig vom Blutzuckerwert, der Tageszeit (tageszeitliche Schwankungen im Insulinbedarf) und der Menge der Kohlenhydrate.

Aufgrund der Anforderung, die diese Form der Therapie stellt, ist eine gute Schulung der Patienten unerlässlich.

Die Insulinpumpen-Therapie (CSII = Kontinuierliche subkutane Insulininfusion)

Mit der Pumpentherapie wird eine noch genauere Anpassung an den individuellen Insulinbedarf erreicht, da hierbei durch die Programmierung der Pumpe für jede Tageszeit eine individuelle Insulindosierung zur Deckung des Grundbedarfs eingegeben werden kann. Ansonsten ist die Pumpentherapie mit der intensivierten konventionellen Therapie vergleichbar. Diabetiker mit einer Insulinpumpe brauchen eine besondere Schulung und müssen den Blutzuckerspiegel ebenfalls häufig messen.

Das Leben mit Diabetes

Wer mit der Diagnose Diabetes konfrontiert wird, muss die Konsequenzen erst einmal verarbeiten. Diabetes ist keine harmlose Erkrankung und kann bei mangelnder Behandlung zu ernsthaften chronischen Folgeerkrankungen (diabetische Spätfolgen) führen. Diese Komplikationen sind bei einer guten Stoffwechsellage allerdings vermeidbar, so dass ein aktives und sportliches Leben auch mit Diabetes möglich ist.

Die tägliche Herausforderung für Diabetiker besteht darin, die Erkrankung als Teil ihres Lebens zu akzeptieren, ihr genügend Aufmerksamkeit durch regelmässige Selbstkontrollen zukommen zu lassen, sich bewusst und gesund zu ernähren und das Gesundheitsbewusstsein zu stärken. Trotzdem kann es bei jedem Diabetiker zu Komplikationen kommen, die rasch auftreten und sich akut lebensbedrohend auswirken können.

Hypoglykämie (Unterzuckerung)

Die Hypoglykämie ist das Absinken des Blutzuckerspiegels unter einen bestimmten Wert, je nach Definition unter 3.7mmol/l oder 2.8mmol/l, oder das Auftreten von Symptomen einer Unterzuckerung wie:

Da ein zu niedriger Blutzuckerspiegel für die Nervenzellen des Gehirns lebensbedrohend ist, leitet der Körper Gegenmassnahmen ein, indem er Adrenalin, Cortisol und Wachstumshormon ausschüttet. Diese Gegenspieler des Insulins bewirken die bekannten Symptome der Hypoglykämie.

Eine Hypoglykämie wird mit 10-20g schnell wirkender Kohlenhydrate (z.B. Würfelzucker, Traubenzucker), gefolgt von 20g langsam wirkender Kohlenhydrate (z.B. eine Scheibe Brot) behandelt.

Hyperglykämie (Überzuckerung)

Als Hyperglykämie wird das Ansteigen des Blutzuckerspiegels über den individuellen Zielwert der Patienten hinaus bezeichnet. Dieser Zielwert sollte im Allgemeinen nicht über 10mmol/l liegen.

Von schweren Hyperglykämie spricht man dann, wenn die Blutzuckerwerte stark ansteigen und symptomatisch werden. Diese Symptome können ähnlich sein wie zu Beginn des Diabetes.

Symptome
  • Polydipsie (vermehrter Durst)
  • Polyurie (Harndrang)
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit

Das Mittel der Wahl in diesen Situationen ist eine Korrektur der hohen Blutzuckerwerte durch die Injektion eines schnellwirkenden Insulins resp. Insulinanalogons.

Diabetisches Koma (hyperglykämisches Koma)

Das diabetische Koma ist ein Zustand der Bewusstlosigkeit welcher durch einen absoluten Insulinmangel ausgelöst wird/werden kann.

Als Folge des Insulinmangels steigt der Blutzucker, und es kommt zur Fettverbrennung und zu einer Übersäuerung des Blutes.

Ein Koma ist immer eine lebensgefährliche Situation und bedarf der sofortigen Einlieferung in ein Spital.

Folgende Warnzeichen können auf ein bevorstehendes diabetisches Koma hindeuten:

  • Geruch nach Aceton im Atem (wie faule Äpfel, Nagellack)
  • Durst
  • Müdigkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen

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