Glück ist weiterhin möglich.

Arno Geiger, österreichischer Schriftsteller, über das Leben mit seinem an Alzheimer-Demenz erkrankten Vater («Der alte König in seinem Exil»)

Mit dem Begriff Demenz wird eine verminderte Hirnleistung bezeichnet, die für Betroffene eine Unterstützung im Alltag erfordert. Die Alzheimererkrankung ist die häufigste Ursache einer Demenz.

Nach heutigem Wissensstand gehen wir davon aus, dass die Alzheimererkrankung in einem mittleren Lebensalter (um 50 Jahre) beginnt. Die ersten Symptome einer Hirnleistungsstörung - wie zum Beispiel Gedächtnisprobleme oder Probleme mit komplexen Planungsaufgaben - zeigen sich aber erst 15 - 20 Jahre später. Die Diagnose wird heute mittels sorgfältiger medizinischer und laborchemischer Untersuchungen gestellt. Auch eine neuropsychologische Testung sowie eine Bildgebung des Gehirns (MRI/CT) gehören mit dazu. Andere mögliche und einfach behandelbare Demenzursachen werden durch die Untersuchungen ausgeschlossen. Die Suche nach weiteren Erkennungszeichen der Alzheimererkrankung (z.B. Untersuchung der Rückenmark- oder Hirnflüssigkeit, Nachweis von alzheimertypischen Ablagerungen im Gehirn und genetische Bestimmungen) ist zwar technisch möglich, aber vorerst für die Forschung reserviert und deshalb nicht krankenkassenpflichtig.

Eine heilende Therapie gibt es zurzeit noch nicht. Es gibt jedoch zahlreiche medikamentöse und nicht-medikamentöse Massnahmen, die den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen, da sie das Eintreten der zunehmenden Hirnleistungsstörungen bedeutend verlangsamen können. Die Massnahmen sind umso wirksamer, je früher die Diagnose gestellt wird. Die Selbstständigkeit und ein Verbleiben in den eigenen vier Wänden

können damit um Jahre erhalten werden, ohne die Gesamtlebensdauer zu beeinflussen. Die seit Jahren verfügbaren Medikamente vom Typ Acetylcholinesterasehemmer und Memantin dienen im frühen und mittleren Krankheitsstadium dem längeren Erhalt der Selbstständigkeit. In späteren Krankheitsstadien helfen sie der Verhinderung oder Linderung von Verhaltensau!älligkeiten.

Ferner gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die die Hirnleistung positiv beeinflussen. Sie reichen von der Korrektur zusätzlicher Faktoren, die sich negativ auf die Hirnleistung auswirken, über regelmässige körperliche Betätigung (insbesondere Tanzen oder Rhythmik) oder Stimulierungen verschiedenster Art, wie Gedächtnistraining, Lesen, Wiederaufnahme des Musizierens, bis zur Förderung der Geselligkeit oder dem Beibehalten von Freizeitaktivitäten.

Zu den verschiedenen Punkten der Alzheimererkrankung finden Sie in diesem Ratgeber ausführliche Informationen. Ziel ist es, Patienten und Angehörigen nach der Diagnose einen verständlichen Einblick in das Krankheitsbild zu geben, vor allem in der frühen Phase. Die Informationen können helfen, sich besser mit der Krankheit und den therapeutischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen.

Prof. Dr. med. Reto W. Kressig

Extraordinarius für Geriatrie, Universität Basel
Chefarzt Universitäres Zentrum für Altersmedizin und Rehabilitation, Felix Platter-Spital, Basel

Was ist eine Demenz?

Die Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns.

Wie es der lateinische Begriff «Demenz» bereits andeutet (de = abnehmend, mens = Geist, Verstand), verliert unser wichtigstes Organ dadurch seine geistigen Fähigkeiten, also das, was die Persönlichkeit des Einzelnen prägt.

Dieser Abbau der Gehirnfunktionen betrifft nicht nur die Gedächtnisleistungen, sondern auch das abstrakte Denkvermögen, die Fähigkeiten zu rechnen und sinnvoll zu planen. Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen gehen ebenso verloren wie die Möglichkeiten, sich
auszudrücken und zu kommunizieren. Mit zunehmender Erkrankungsdauer verschlechtern sich auch Auffassungsgabe und Orientierung; selbst enge Angehörige werden dann nicht mehr erkannt. Schliesslich versinkt das Gehirn immer mehr in einem Dämmerzustand, aus dem es kein Erwachen mehr gibt.

Welche Demenzformen gibt es?

Die verschiedenen Demenzformen werden im Wesentlichen in zwei grosse Gruppen eingeteilt: die vaskulär bedingten und die degenerativen Formen. Diese Demenzerkrankungen werden auch als primär (die Erkrankungen gehen vom Gehirn aus) oder irreversibel (sie sind nicht heilbar) bezeichnet.

Degenerative Demenzformen

Zu den degenerativen Demenzformen gehören die Alzheimer-Demenz, die frontotemporale Demenz und die Lewy-Körperchen-Demenz. An einer Alzheimer-Demenz leiden die allermeisten Demenzkranken (bis zu 70%). Charakteristisch für diese Demenzform ist, dass als Erstes ein nachlassendes Kurzzeitgedächtnis auffällt und die sprachlichen Fähigkeiten (Ausdruck, Wortfindungsstörungen, Merken von Wörtern) der  Betroffenen nachlassen.

Die übrigen degenerativen Demenzformen, wie die frontotemporale oder Stirnhirndemenz (bei der schwere Verhaltensstörungen im Vordergrund stehen) und die Lewy-Körperchen-Demenz (die nicht nur Ähnlichkeiten mit der Alzheimer-Demenz, sondern auch mit der Parkinsonerkrankung aufweist), sind, verglichen mit der Alzheimer-Demenz, seltener und betreffen gesamthaft circa 15% aller Demenzformen.

Vaskuläre Demenzform

Die vaskulär bedingten Demenzformen werden durch vorübergehende Durchblutungsstörungen grosser oder kleinerer Hirngefässe, durch Schlaganfälle oder Hirnblutungen verursacht. Die auftretenden Symptome sind abhängig von den Hirnarealen, die von dem jeweiligen Ereignis betroffen sind.

Die sogenannten sekundären oder reversiblen Demenzformen gehen nicht vom Gehirn aus, sondern werden durch andere Grunderkrankungen (z.B. Stoffwechselerkrankungen, Depressionen, Hirntumoren), aber auch durch Drogenmissbrauch ausgeübt. Sie können sich nach erfolgreicher Behandlung zurückbilden.

Dieser Ratgeber wird sich mit der häufigsten Demenzform, der Demenz vom Alzheimer-Typ, beschäftigen.

Häufige Fragen zu Alzheimer

Es war der Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer (1864 - 1915), der 1906 als erster diese Demenzform beschrieb, an der seine Patientin Auguste D. erkrankt war. Die Krankheit wurde nach ihm benannt und ist seither als Alzheimer-Demenz oder Alzheimersche Krankheit bekannt.

In der Schweiz leben zurzeit 110 000 demenzkranke Menschen; weltweit sind heute über 20 Millionen Menschen von einer Demenz betroffen. Zweidrittel der Erkrankten leiden unter der Alzheimer-Demenz - sie stellt somit die häufigste Demenzform dar.

Das Risiko, an dieser Demenzform zu erkranken, nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Während das Demenzrisiko bis zum 60. Lebensalter noch gering ist, verdoppelt sich das Erkrankungsrisiko danach alle 5 Jahre; von den über 90-jährigen Männern und Frauen sind laut Statistik etwa 50 Prozent betroffen.

Es gibt eine seltene, familiär bedingte Form der Alzheimer-Demenz, die nur in 5% der Fälle und dann bereits früh, also deutlich vor dem 60. Lebensjahr, auftritt. Diese Variante der Alzheimer-Demenz ist erblich bedingt. Die wesentlich häufigere Form offenbart sich nach dem 65. Lebensjahr. Ob auch diese späte Form eine erbliche Komponente hat, ist bisher nicht bekannt.

Wie entsteht die Alzheimer-Demenz?

Trotz intensiver weltweiter Forschungsbemühungen sind die Gründe für die Entstehung der Alzheimer-Demenz immer noch nicht eindeutig geklärt.

Nach bisheriger Erkenntnis sind es möglicherweise zwei Proteine (= Eiweisse), die für die typischen Veränderungen verantwortlich sind, die bereits Alois Alzheimer nach dem Tod seiner Patientin in deren Gehirn entdeckte.

Diese beiden in ihrer Struktur modifizierten Proteine lagern sich im Gehirn in grosser Zahl innerhalb der Nervenzellen ab. Da sie von den Neuronen nicht mehr abgebaut werden können, kommt es zu toxischen Reaktionen, die chronische Entzündungen auslösen. Dadurch werden die lebenswichtigen Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen zerstört, was schliesslich zum Untergang der Nervenzellen führt. Betroffen sind davon vor allem jene Hirnregionen, die für das Gedächtnis verantwortlich sind (Hippocampus).

Neben den beschriebenen Vorgängen spielt auch das Altern des Gehirns eine wichtige Rolle. Obwohl auch hier noch nicht klar ist, wodurch der Alterungsprozess ausgelöst wird, weiss man, dass dabei - auch durch Umwelt- oder Lebensstilfaktoren bedingt - freie Sauerstoffradikale entstehen, die Schäden an den Erbanlagen oder Fehlfunktionen wichtiger Eiweisse verursachen, die das Nervengewebe zusätzlich schädigen können.

Wie entsteht die Alzheimer-Demenz?

Die Krankeit beginnt schleichend. Die ersten Anzeichen sind zunächst alltägliche Vergesslichkeiten (Wo liegt denn wieder der Autoschlüssel? Wie heisst noch der Freund unserer Tochter?) oder das ständige Wiederholen der immer gleichen Fragen.

Mit der Zeit nehmen die Gedächtnisausfälle zu, und Gewohntes birgt plötzlich unüberwindbare Hürden, wie der Nachhauseweg, der eines Tages völlig fremd erscheint, oder lang genutzte Haushaltsgeräte, die plötzlich nicht mehr bedient werden können. Selbst gestern Erlebtes ist heute nicht mehr präsent, Termine, Abmachungen und Daten werden vergessen.

Viele Betroffene merken, dass etwas in ihnen vorgeht, was für sie nicht einfach einzuordnen und zu beschreiben ist. Sie sind irritiert und fühlen sich dem Geschehen hilflos ausgeliefert. Die eigene Unsicherheit führt zu Ersatzhandlungen, um Peinlichkeiten aus dem Weg zu gehen. Frustriert über ihre Unfähigkeit, sich mitzuteilen oder andere zu verstehen, reagieren manche ungeduldig oder gar aggressiv. Mit fortschreitendem Gedächtnisverlust wissen die Patienten nicht mehr, wo sie sind, sie vergessen Tag und Uhrzeit und erkennen selbst enge Angehörige nicht mehr.

Im späten Stadium wirkt sich die Zerstörung des Gehirns zunehmend auf andere Organsysteme aus. Durch den Verlust der Organfunktionen werden die Patienten anfällig für Krankheiten und Infektionen, die dann häufig zum Tod führen.

Patienten mit Alzheimer-Demenz machen im Verlauf ihrer Krankheit unterschiedliche Phasen durch - stabilere Zeiten wechseln mit Perioden, in denen sich die geistigen und körperlichen Fähigkeiten weiter verschlechtern. Aufhalten lassen sich die Veränderungen nicht. Wie sich die Krankheit entwickelt und wie rasch sie fortschreitet, ist individuell unterschiedlich.

Die Dauer der Alzheimer-Demenz nach Diagnosestellung ist individuell verschieden und kann bis zu zehn Jahre oder mehr betragen.

Das Gehirn

Besuch beim Hausarzt

Demenzformen wie die Alzheimer-Demenz können nicht geheilt werden. Es gibt jedoch Behandlungsmöglichkeiten, durch die Betroffene wieder mehr Normalität und Lebensqualität gewinnen und die den Verlauf der Krankheit verzögern können. Voraussetzung ist eine möglichst frühe Diagnosestellung, denn je früher die Behandlung einsetzt, desto besser der Therapieerfolg.

Wer also bemerkt, dass er öfters Dinge vergisst und das Erinnerungsvermögen bedenklich nachlässt, der sollte seinen Hausarzt aufsuchen und die Gründe dafür abklären lassen. Gedächtnislücken und Vergesslichkeiten können auch Teil des normalen Alterungsprozesses sein. Der Gang zum Hausarzt bringt in solchen Fällen Klarheit und Aufschluss über den Gesundheitszustand. Falls sich tatsächlich Anzeichen einer beginnenden Demenzerkrankung zeigen sollten, besteht die Möglichkeit, frühzeitig eine adäquate medikamentöse Behandlung einzuleiten, um das Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern.

Diagnostik

Der Hausarzt wird bei einer Demenzabklärung zunächst ein ausführliches Gespräch mit der betroffenen Person und - wenn möglich - auch mit den Partnern oder nahestehenden Angehörigen führen. Neben einer allgemeinmedizinischen Untersuchung und Blutanalysen werden demenzspezifische Kurztests durchgeführt, durch die sich Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Konzentrationsfähigkeit überprüfen lassen. Zu den üblichen Tests gehören z.B. Mini Mental State Examination (MMSE-Test) und der Uhrentest.

Besteht der Verdacht einer Demenzerkrankung werden die Patienten zu weiteren neuropsychologischen Abklärungen an eine Memory Clinic überwiesen. Dort werden die Hirnleistungen - auch durch bildgebende Verfahren wie CT oder MRI (Computer- oder Magnetresonanztomografie) - sorgfältig überprüft.

Behandlungsmöglichkeiten

Die medikamentöse Therapie

Die für die Behandlung der Alzheimer-Demenz zugelassenen Medikamente (Antidementiva) zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie die
Wirkung bestimmter Botenstoffe verstärken, die durch die Erkrankung beeinträchtigt, für die geistige Leistungsfähigkeit aber unentbehrlich
sind.

Bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz wird der Hausarzt  sogenannte «Cholinesterase-Hemmer» verschreiben. Dazu gehören: Galantamin und Rivastigmin. Diese Medikamente haben einen positiven Einfluss auf die Verfügbarkeit von Überträgerstoffen im Gehirn, verbessern die geistigen Fähigkeiten und können das Fortschreiten der Erkrankung vorübergehend hinauszögern. Spricht der Patient auf die Behandlung an, bessern sich Selbstständigkeit und Alltagsfähigkeiten sowie Stimmung und Verhalten des Patienten.

Bei moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz kommt das Medikament Memantin zum Einsatz. Auch dieser Wirkstoff kann dieHirnleistung und die Demenzsymptome verbessern und demenzbedingte Verhaltensstörungen mildern. Allerdings lassen sich diese Wirkungen auch hier nur vorübergehend beobachten.

In schweren Fällen kann die Behandlung auch mit einer Kombinations-Medikation erfolgen.

Demenzkranke leiden häufig auch unter psychischen Problemen, die unterschiedlichste Ursachen haben können (Schmerzen, ungewohntes Umfeld, Probleme mit der Ernährung, Schlafstörungen). Bevor entsprechende Medikamente (Antidepressiva, Neuroleptika) eingesetzt werden, sollte zunächst versucht werden, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Nicht-medikamentöse Massnahmen

Der Einsatz von Medikamenten ist nur eine Behandlungsform. Eine mindestens ebenso wichtige Rolle ist die psycho-soziale Betreuung der Patienten.

Dazu gehört eine ruhige häusliche Umgebung, eine verständige und mitfühlende Betreuung und ein klar strukturierter Tagesablauf, um den Patienten möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Im sehr frühen Stadium der Erkrankung können kognitive Trainingsprogramme (z.B. Gedächtnistraining) noch sinnvoll sein, um Alltagsfähigkeiten zu erhalten. Besser geeignet - auch in fortgeschritteneren Stadien - sind psychosoziale Gruppentherapien, in denen z.B. motorische Fähigkeiten auf spielerische Weise geübt werden. Werden diese auch durch Musik rhythmisch untermalt, lässt sich die Effektivität noch verbessern. Darüber hinaus haben sich künstlerische Therapien (z.B. Mal- oder Musiktherapie) als sinnvoll erwiesen, um Wahrnehmung, Konzentration und Orientierung zu fördern.

Wichtig ist darüber hinaus alles, was das Erinnerungsvermögen der Betroffenen anregt (z.B. Ansehen alter Fotoalben, Hören und Singen von Lieblingsliedern). Dadurch wird die eigene Identität und Persönlichkeit des Kranken unterstützt und das Gefühl der Selbstsicherheit gefördert.

Auch Haustiere haben einen beruhigenden und angstlösenden Effekt auf die Betroffenen, insbesondere bei unruhigen Patienten.

Präventionsmassnahmen

Aus zahlreichen epidemiologischen Studien (Häufigkeit und Verbreitung von Krankheiten in einer Bevölkerung) kennt man inzwischen gewisse Risikofaktoren, die das Entstehen von Demenzerkrankungen begünstigen oder fördern. Dazu gehören insbesondere beeinflussbare Lebensstilfaktoren, wie:

  • Nikotin - und Alkoholmissbrauch
  • ungesunde Ernährung
  • Übergewicht im mittleren Lebensalter
  • fehlende körperliche Bewegung
  • fehlende geistige Beschäftigung
  • fehlende soziale Aktivitäten

Aus diesen Erkenntnissen lassen sich eine Reihe präventiver Massnahmen ableiten, die das Gehirn «auf Trab» halten, stimulierend und durchblutungsfördernd wirken und die Neubildung von Nervenzellen (die nachweislich auch im Alter noch möglich ist) fördern. Das Gehirn besitzt - wenn es trainiert und gefordert wird! - die Fähigkeit, die Aufgaben geschädigter Hirnareale durch Bildung und Verknüpfung neuer Nervenzellen bis zu einem gewissen Grad zu kompensieren. Dies gelingt allerdings nicht mehr, wenn der Abbau der geistigen Fähigkeiten bereits zu ersten Demenzsymptomen führt.

Lebensstilfaktoren ändern

Ausgehend von den genannten Risikofaktoren lässt sich die Leistungsfähigkeit des Gehirns durch eine ausgewogenen Ernährung und durch regelmässige körperliche und soziale Aktivität stärken.

Ernährung

Als positiv gilt die sogenannte Mittelmeerdiät, eine Ernährung, die regelmässig Fischmahlzeiten, viel Gemüse und Obst («fünf am Tag») sowie Getreideprodukte und Hülsenfrüchte enthält, aber wenig Milchprodukte, Fleisch und gesättigte Fettsäuren. Fisch, Gemüse und Obst sind reich an Substanzen, die nachweislich gefässschützende und antientzündliche Wirkungen entfalten.

Körperliche Aktivität

Zahlreiche Studien konnten den Nutzen regelmässiger körperlicher Aktivität für die geistige Leistungsfähigkeit inzwischen nachweisen. Die hat gute Gründe, denn Bewegung hat positive Auswirkungen auf den Blutdruck, regt die Durchblutung an, fördert den Stoffwechsel und reguliert das Körpergewicht. Das Gehirn wird so optimal mit Sauerstoff versorgt, was wiederum die Bildung neuer Nervenzellen und neuronaler Verknüpfungen anregt.

Geistige und soziale Aktivitäten

Hier gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die sich problemlos in den Alltag einbauen lassen:

  • viel Lesen (Zeitungen, Bücher)
  • Briefe schreiben (z.B. mal wieder per Hand!)
  • kochen, malen und basteln
  • Fremdsprachen lernen
  • Theater- oder Museumsbesuche
  • Meditation
  • Reisen
  • gemeinsame Aktivitäten mit Freunden
  • tanzen

Ob diese Massnahmen bis ins hohe Alter vor einer Demenz schützen können, ist bislang nicht bewiesen. Es ist allerdings schon viel gewonnen, wenn das Auftreten einer Demenzerkrankung um einige Jahre hinausgezögert werden kann. Und dazu können die erwähnten Massnahmen und Aktivitäten beitragen.

Leben mit Alzheimerpatienten

Gemäss Informationen der Schweizerischen Alzheimervereinigung werden rund 60 Prozent der demenzkranken Patienten zu Hause durch Angehörige betreut. Sie brauchen Hilfe und Unterstützung bei dieser anspruchsvollen Aufgabe.

Nach einer Demenzdiagnose ist es für die Angehörigen wesentlich, sich zunächst gründlich über die Alzheimer-Demenz, über Ursachen, Therapiemöglichkeiten und dem Verlauf der Krankheit sowie den Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren. Dies erleichtert den Umgang mit den demenzkranken Menschen. Ausserdem können so im häuslichen Umfeld frühzeitig Vorkehrungen getroffen werden, um Gefahrenquellen zu sichern und Unfälle zu vermeiden.

Betreuende Angehörende müssen lernen, mit den Persönlichkeitsveränderungen umzugehen, die sich im Verlauf der Krankheit bei den Betroffenen einstellen. Beratungsstellen und Pflegefachkräfte stehen den Angehörigen mit Betreuungs- und Therapieangeboten zur Seite und helfen ihnen, mit den Belastungen der Pflege umzugehen, aber gleichzeitig auch die eigene Gesundheit zu schonen.

Informationen dazu erhalten Sie bei Ihrem Hausarzt sowie durch die Infoblätter der Schweizerischen Alzheimervereinigung, auf www.alz.ch oder am Alzheimer-Telefon (Tel. 024 426 06 06).

Beratung und Hilfe

Wo finden Angehörige Hilfe und Unterstützung?

Weiterführende Informationen zur Alzheimer-Demenz und anderen Demenzerkrankungen für Patienten und Angehörige sowie über Betreuungsmöglichkeiten sind unter folgender Adresse erhältlich:

Schweizerische Alzheimervereinigung
Rue des Pêcheurs 8E
1400 Yverdon-les-Bains
Telefon: 024 426 20 00
Telefax: 024 426 21 67
info@alz.ch
www.alz.ch

Alzheimer-Telefon: 024 426 06 06

Die Vereinigung ist in jedem Kanton mit einer Anlaufstelle vertreten.

Darüber hinaus gibt es in jedem Kanton mindestens eine Alzheimer-Selbsthilfegruppe beziehungsweise Alzheimer-Gesprächsgruppen für pflegende Angehörige. Informationen über das Netzwerk, über Adressen und Anlaufstellen sind unter www.selbsthilfeschweiz.ch abrufbar.

Weiterführende Literatur

  • Aleman André: Wenn das Gehirn älter wird. Verlag C.H. Beck, 2013.
  • Flöel Agnes (Hg.): Alzheimer - unabwendbares Schicksal? Schattauer Verlag, 2013.<
  • Heuser, Isabella: Alzheimer und Demenz; Wissen, was stimmt. Herder-Verlag, 2010.

Unser Ratgeber als Download

In unserem Ratgeber finden Sie alle Informationen zur Alzheimer-Erkrankung.

Rechtliche Hinweise

Ziel des Ratgebers ist es, objektive Informationen auf medizinische Fragen zur Demenz vom Alzheimer-Typ zu liefern. Dieser Ratgeber kann jedoch in keinem Fall einen ärztlichen Rat ersetzen. Bevor mit irgendeiner Behandlung begonnen wird, muss also unbedingt ein Arzt (Hausarzt und/oder Neurologe) kontaktiert werden. Die Autoren dieses Ratgebers übernehmen keinerlei Verantwortung für Fehler, Unterlassung oder Folgen, die aus der Verwendung dieser
Informationen resultieren können. Dieser Ratgeber richtet sich in erster Linie an in der Schweiz wohnhafte Patienten.