Einleitende Informationen

Die Osteoporose ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen. Die Knochen werden abgebaut und werden zunehmend poröser und instabiler. Als Folge kann es bei geringster Belastung oder auch ohne Grund zu Knochenbrüchen kommen.

 

In der Schweiz sind etwa 400 000 Personen betroffen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Jede zweite Frau und jeder fünfte Mann über 50 muss damit rechnen, irgendwann einen osteoporotischen Knochenbruch zu erleiden.

Die Osteoporose betrifft das gesamte Skelett. Die am meisten betroffenen Skelettregionen für Knochenbrüche sind die Wirbelsäule, der Vorderarm und der Oberschenkel. Besonders bedeutsam ist die grosse Zahl von Brüchen (Frakturen) des Oberschenkelhalsknochens, des Oberarmknochens und des Handgelenks, die bei älteren Menschen im Rahmen einer Osteoporoseerkrankung auftreten.

Nach einem Oberschenkelhalsbruch werden viele langfristig pflegebedürftig. Die Osteoporose und die damit einhergehenden Knochenbrüche verlaufen nicht schicksalhaft. Jeder kann durch eine «knochenfreundliche» Ernährung und eine ausreichende körperliche Aktivität einem beschleunigten Knochenabbau entgegenwirken.

Selbst wenn erste Knochenbrüche festgestellt wurden, gibt es wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeiten.

Dieser Ratgeber soll Ihnen die Ursachen für die Entwicklung einer Osteoporose darstellen, Sie mit den unterschiedlichen Krankheitsformen vertraut machen und Ihnen die Ansatzpunkte für eine erfolgreiche Behandlung aufzeigen.

Osteoporose kann in allen Stadien therapiert werden, noch einfacher lässt sie sich aber verhindern. Wichtige Voraussetzung hierfür ist ausreichende Bewegung an der frischen Luft und richtige Ernährung. Auch für das Vollbild der Osteoporose stehen eine Reihe hochwirksamer Medikamente zur Verfügung, die den Patienten ihre Lebensqualität erhalten bzw. wieder zurückgeben sollen.

Unser Skelettsystem: Halt und Stütze

Mit seinen mehr als 220 Knochen gibt das menschliche Skelett dem Körper Form, Halt, Schutz und Stabilität. Die Hauptlast des Körpergewichts trägt dabei die Wirbelsäule zusammen mit den Oberschenkelknochen.

Alle Knochen zeichnen sich dadurch aus, dass sie aufgrund ihrer besonderen Struktur hohe Zug- und/oder Druckkräfte aushalten können.

Umhüllt wird der Knochen von der Knochenhaut, dem Periost, das sowohl Nerven als auch Blutgefässe enthält. Die Rinde des Knochens ist eine Aussenschicht aus dichtem Knochengewebe.

Das Innere des Knochens nennt man Spongiosa. Dieses Gewebe besteht aus feinen, miteinander vernetzten Knochenbälkchen. Die Spongiosa ist darauf ausgerichtet, mit einem Minimum an Material ein Maximum an Festigkeit zu erzielen.

Im Innersten des Knochens findet sich das Knochenmark in der Markhöhle. Dort werden unter anderem die Blutzellen gebildet.

Der Knochen besteht in erster Linie aus Bindegewebe, das für die notwendige Elastizität sorgt. Um auch Stabilität zu erreichen, werden in die Knochen noch Mineralstoffe wie Phosphat und Kalziumsalze eingelagert. Die Mineralisation macht den Knochen hart und widerstandsfähig.

Besondere Bedeutung bei der Mineralisation kommt dem Calcium zu. Bei einem erwachsenen Mann kann das im Knochen gespeicherte Calcium mit 1-1.5kg zum Gesamtkörpergewicht beitragen.

Der Knochen ist ein sehr stoffwechselaktives Gewebe und unterliegt einem ständigen Auf- und Abbau. Diese Aktivität zeigt sich vor allem auch in den Wachstumsphasen der Kinder, in denen der Knochen an Länge gewinnt.

Mit Beginn der Pubertät übernehmen die Geschlechtshormone wie das Östrogen und das Testosteron den führenden Einfluss auf die Entwicklung der Knochen. In dieser Zeit nehmen die Knochen hauptsächlich an Dichte zu.

Im Erwachsenenalter verändert sich das Skelett aufgrund äusserer Druck- und Dehnungsreize durch Sport aber auch durch die Schwerkraft.

Nach dem 40. Lebensjahr nimmt in einem natürlichen Prozess die Knochendichte kontinuierlich ab, wobei der altersbedingte Substanzverlust bis zu 1% pro Jahr beträgt. Mit Beginn der Wechseljahre kann bei Frauen ein beschleunigter Abbau eintreten, der zu einem grösseren Verlust an Knochenmasse führt.

Die maximale Knochenmasse wird bei Frauen am Ende des zweiten Lebensjahrzehnts erreicht, bei Männern wenige Jahre später. Daran schliesst eine Zeitspanne von etwa ein bis zwei Jahrzehnten an, die so genannte Plateauphase, in der die Knochenmasse weitgehend konstant bleibt. 

Doch auch in dieser Phase ist der Knochen nicht inaktiv. Die Knochenstruktur wird ständig umgebaut. Innerhalb von etwa acht Jahren wird die Bausubstanz eines Knochens einmal komplett ausgewechselt. Ohne Funktions- und Stabilitätsverlust findet fortlaufend ein Knochenaustausch statt. Im Rahmen dieser Erneuerung kann sich der Knochen veränderten Belastungssituationen anpassen, eine optimale Stabilität entwickeln und es können geschädigte Stellen ausgebessert werden.

Verantwortlich für den Auf-und Abbau der Knochensubstanz sind spezielle Zellen: die Fresszellen (Osteoklasten) bauen Knochensubstanz ab, während die Bildungszellen (Osteoblasten) Knochengewebe aufbauen.

Dieses Wechselspiel zwischen aufbauenden und abbauenden Zellen hält den Knochen ein Leben lang stabil. Kleine Risse und Abnutzungserscheinungen werden ausgebessert und nach jeweils 120 Tagen hat sich das Gewebe komplett erneuert.

Dieses Gleichgewicht der Zellen wird durch körpereigene Hormone der Keimdrüsen wie Östrogen und Testosteron sowie durch Vitamin D und andere Faktoren gesteuert.

Ein ausreichendes und ausgewogenes Angebot an Knochenbausubstanzen wie Calcium, Phosphat und Eiweiss sowie eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D sind wichtige Bestandteile einer knochengesunden Ernährung. Da unser Körper unter Lichteinwirkung das Vitamin D in der Haut selbst herstellen kann, ist es für jede Altersgruppe wichtig, sich viel im Freien aufzuhalten.

Fast-Food mit einem hohen Fleischanteil und manche Softdrinks enthalten viel Phosphat. Nimmt man im Verhältnis zu Calcium übermässig viel Phosphat auf, wird die Einlagerung von Calcium in den Knochen vermindert oder dem Knochen sogar Calcium entzogen. Daher wird Phosphat, wenn es im Übermass aufgenommen wird, auch als «Kalziumräuber» bezeichnet.

Osteoporose, was ist das?

Wörtlich übersetzt heisst Osteoporose «poröser Knochen». Als Osteoporose bezeichnet man eine über das normale Mass hinausgehende Brüchigkeit des Knochens, die durch eine Verminderung der Knochenmasse und eine Zerstörung der Knochenstruktur verursacht wird.

Charakteristisch für Knochenbrüche bei Osteoporose ist, dass sie häufig im Rahmen von äusseren Einflüssen beziehungsweise mechanischen Belastungen auftreten, bei denen Knochenfrakturen normalerweise nicht die Folge sind. Dazu gehören zum Beispiel Wirbelkörperbrüche nach Anheben von leichteren Lasten oder Rippenbrüche bei stärkerem Husten.

Durch einen Verlust der Knochenmasse kommt es zum Einbruch der Wirbelkörper und der Ausbildung typischer Osteoporosemerkmale wie Grössenverlust, Erschlaffung der Bauchmuskulatur und Witwenbuckel.

Die Osteoporose ist eine Erkrankung des Knochens. Sie besteht in einer Verminderung von Knochengewebe. Diese bewirkt wiederum eine verringerte mechanische Belastbarkeit der Knochen. Vermehrt treten Knochenbrüche oder Verformungen von Knochen auf. Letztere sind insbesondere bei den Wirbelkörpern zu beobachten.

Osteoporotische Veränderungen an der Wirbelsäule gehen in der Regel mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Rückenschmerzen einher.

Besonders anfällig für Brüche sind Wirbelkörper, Oberschenkelhals und Handgelenk. Ein grosser Teil (ca. 40%) der Wirbelkörperbrüche bleibt zunächst vom Betroffenen unbemerkt. Erst langfristig führen diese sogenannten «stummen» Brüche bei den Betroffenen zu Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit.

Eine sichtbare Spätfolge im Bereich der Brustwirbelsäule ist z.B. der «Witwenbuckel». Er entsteht, wenn mehrere geschädigte Brustwirbelkörper einbrechen, weil sie der Belastung nicht mehr standhalten.

Die Ursachen für die Entstehung der Osteoporose sind vielfältig. Bereits ab einem Alter von 40 Jahren verlieren die Knochen an Substanz. Aber auch erbliche Veranlagung, hormonelle Veränderungen, Stoffwechselstörungen, Medikamenteneinnahme (z.B. Kortison) und falsche Ernährung gelten als Risikofaktoren.

Bei einer Osteoporose kann schon ein minimaler Stoss genügen, um den porösen Knochen brechen zu lassen. Husten kann einen Bruch der Rippe verursachen und ein Sturz einen Bruch des Oberschenkelhalses.

Wie entsteht eine Osteoporose?

Die Knochen unterliegen einem fortwährenden Umbau. Ab etwa dem 40. Lebensjahr befinden sich die An- und Abbauprozesse aber nicht mehr im Gleichgewicht. Es wird dann Jahr für Jahr mehr Knochensubstanz ab- als aufgebaut. Das ist in gewissem Umfang ein normaler Alterungsvorgang

Bei der Osteoporose ist die Regulation der Auf- und Abbauvorgänge am Knochen gestört. Knochensubstanz geht weit über das normale Mass hinaus verloren. Dies kann z.B. durch einen normalen alterungsbedingten Prozess bei geringer maximaler Knochenmasse in der Jugend und langer Lebensdauer erfolgen.

Das Gerüst des Knochens wird weitmaschiger, die Struktur des Knochens verändert sich. Bei der Mineralisation wird weniger Calcium eingebaut. Dadurch nimmt die Stabilität des Knochens laufend ab. Das Risiko für einen Knochenbruch steigt.

Schutz durch Östrogen und Testosteron

Das Ausbleiben der Regelblutung bei der Frau (Menopause) ist mit erheblichen körperlichen Veränderungen verbunden. Ohne den Schutz der Östrogene wird der Knochenabbau forciert. In den 5 - 10 Jahren nach der Menopause verlieren Frauen zwischen 2% und 5% ihrer Knochenmasse. Bei manchen Frauen sogar bis zu 30%, was zeigt, dass die Osteoporose für die Frau das grösste Gesundheitsrisiko in der Zeit nach der Menopause ist.

Als Risikogruppe gelten insbesondere Frauen, deren Monatsblutung erst sehr spät eingesetzt hat oder häufig über einen längeren Zeitraum ausgeblieben ist. Frauen gelten auch dann als gefährdet, wenn ihre Monatsblutung schon vor dem 43. Lebensjahr im Rahmen der Wechseljahre ausgeblieben ist.

Eine ähnliche Situation liegt dann vor, wenn infolge einer operativen Entfernung der Eierstöcke kein Östrogen mehr produziert werden kann.

Neben Risikofaktoren, die nicht beeinflussbar sind, gibt es andere, auf die man als Patient Einfluss nehmen kann. Hierzu gehören die Ernährung, die Bewegung, Alkohol- und Nikotinkonsum, die Kontrolle von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder auch eine länger dauernde Therapie mit einem Glukokortikoid.

Männer werden durch ihr Geschlechtshormon Testosteron geschützt. Im Gegensatz zum weiblichen Geschlechtshormon Östrogen wird das Testosteron auch noch im hohen Alter gebildet, womit eine gewisse Schutzfunktion vor der Osteoporose gegeben ist. Die Hormonproduktion beim Mann nimmt ab dem 40. Lebensjahr sehr langsam ab. Ausserdem haben Männer im Vergleich zu den Frauen aufgrund ihrer höheren Spitzenknochenmasse eine deutlich bessere Ausgangssituation, da eine höhere Skelettmasse dem Knochenabbau wesentlich länger standhalten kann. Osteoporose bei Männern tritt deshalb meistens erst sehr spät auf.

Osteoporose - Formen und Ursachen

Frauen sind besonders gefährdet, an einer Osteoporose zu erkranken. Das Knochengerüst ist bei Frauen in der Regel zierlicher ausgebildet als bei Männern.

In den Jahren nach Beginn der Menopause ist vor allem der Östrogenmangel und mit zunehmendem Alter der Calcium- und Vitamin D-Mangel für das Krankheitsbild der Osteoporose verantwortlich.

Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen hat Einfluss auf solche Knochenzellen, die Knochensubstanz abbauen und kann somit den Knochenschwund verlangsamen.

Diese Erkrankungsform wird daher «postmenopausale» Osteoporose genannt.

Typischerweise stehen bei dieser Osteoporoseform Wirbelkörperfrakturen im Vordergrund. Sie tritt, bezogen auf das Lebensalter, deutlich früher auf als die Altersosteoporose. Bei dieser ist der Bruch des Oberschenkelhalses das häufigste Frakturereignis. Dennoch finden sich auch bei der Altersosteoporose nicht selten Wirbelfrakturen.

Auch Männer sind betroffen

Im Alter sind auch Männer von der Osteoporose betroffen. Im höheren Alter steht die zunehmende Mangelversorgung mit Calcium und Vitamin D im Vordergrund.

Ältere Menschen essen meist weniger als junge. Das bedingt auch eine verminderte Vitamin D- und Kalziumzufuhr mit der Nahrung.

Ihre häufig eingeschränkte körperliche Beweglichkeit führt ausserdem dazu, dass sie sich seltener im Freien aufhalten. Dies und die im Alter abnehmende Fähigkeit der Haut Vitamin D zu bilden führt oft zu einem Mangel an Vitamin D.

Beides erzeugt eine negative Kalziumbilanz. Den Kalziummangel gleicht der Körper dadurch aus, dass er vermehrt Parathormon ausschüttet und dadurch Calcium aus dem Knochen mobilisiert. Knochenmasse geht beschleunigt verloren, die Stabilität der Knochen lässt nach. Das Knochenbruchrisiko steigt an.

Beschwerden bei Osteoporose

Typische Krankheitszeichen fehlen

Die Osteoporose verläuft lange Zeit ohne Beschwerden. In der Regel wirkt sich der Verlust an Knochensubstanz schon früh auf die Wirbelsäule aus. Erste Hinweise auf eine Osteroporose können daher Rückenschmerzen sein.

Wirbelkörperbrüche können von akuten, teilweise sehr starken und örtlich begrenzten Schmerzen begleitet sein. Langsam fortschreitende Wirbelkörperverformungen und -stauchungen führen zu einer Höhenminderung der Wirbelsäule und einer Gefügelockerung des Halte- und Bandsystems. Schrumpfen die Abstände zwischen den Wirbelkörpern, lockern sich die Haltebänder der Wirbelsäule.

Die daraus entstehende, zunehmende Instabilität versucht der Körper durch eine vermehrte Haltearbeit der Rückenmuskulatur auszugleichen. Dieser Überbelastung folgen dann in der Regel Muskelverspannungen und -verhärtungen, die sehr schmerzhaft sein können. Diese Schmerzen sind eher dumpf und örtlich schlecht abgrenzbar. Bei älteren Menschen mit chronischen Rückenschmerzen muss als Ursache daher immer auch an eine Osteoporose gedacht werden.

Die Körperhaltung verändert sich

Im Verlauf einer stark ausgeprägten Osteoporose verändert sich nicht selten die gesamte Körperhaltung. Durch die Wirbeldeformitäten an der Wirbelsäule entsteht ein «Hohlrundrücken». Die Brustwirbelsäule krümmt sich verstärkt nach hinten, die Lendenwirbelsäule nach vorne. Bei einem besonders ungünstigen Verlauf der Erkrankung kann sich ein sogenannter «Witwenbuckel» entwickeln.

Wirbelzusammenbrüche sowie Wirbeldeformierungen und die damit einhergehende Verkrümmung der Wirbelsäule führen zu einem Längenverlust des Oberkörpers. Es entsteht der Eindruck, dass die Arme zu lang sind. Die Haut des Rückens legt sich in schlaffe schräg verlaufende Falten. Man spricht vom sogenannten «Tannenbaumphänomen».

Hals und Kopf sind häufig ängstlich nach vorne gestreckt. Um das Gleichgewicht zu halten, werden die Kniegelenke im Stehen stärker gebeugt. Die Veränderungen im Knochengerüst und die Körperfehlhaltungen werden von Fehlbelastungen der betroffenen Muskulatur begleitet. Schmerzhafte Verspannungen und Verhärtungen entstehen, die über schmerzvermeidende Schonhaltungen zu weiteren Haltungsstörungen beitragen können.

Aufgrund der Grössenabnahme und der Erschlaffung der Rückenmuskulatur legt sich die Haut in Falten. Man spricht auch vom «Tannenbaumphänomen».

Veränderungen der Körperhaltung und Verformungen im Bereich der Brustwirbelsäule können auch die Atmung erschweren.

Diagnose der Osteoporose

Die diagnostischen Massnahmen bei der Osteoporose dienen zum einen dem Nachweis einer bereits bestehenden Osteoporose. Zum anderen helfen sie, das Osteoporoserisiko einzuschätzen, solange noch keine Knochenfrakturen vorliegen. Auch können andere Erkrankungen erkannt werden, die einen ungünstigen Einfluss auf das Knochensystem ausüben.

Nach einer Reihe von Untersuchungen kann der Arzt feststellen, ob Sie an Osteoporose leiden oder nicht.

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Vorsorge

Eine gesunde Ernährung mit ausreichend Kalziumzufuhr und eine möglichst hohe körperliche Aktivität in jungen Jahren und auch später sind für die lebenslange Knochengesundheit von grosser Bedeutung.

Untersuchungen zeigen, dass körperliches Training bei Frauen in den Wechseljahren und danach einen günstigen Effekt auf die Knochendichte ausübt. Das Bewegungstraining hat die Aufgabe, die Muskelkraft zu verbessern und durch die mechanische Belastung den Knochenanbau zu fördern beziehungsweise den Knochenabbau zu mindern.

Sinnvolle Bewegungsformen sind «kraftbetonte Gymnastik» sowie in Abhängigkeit von der individuellen Belastbarkeit, auch dosiertes und gezieltes Krafttraining an Geräten.

Bei älteren Menschen können selbst mit einem «milden Gymnastikprogramm» positive Effekte auf die Knochenmasse erzielt werden. Wichtig ist, dass das Bewegungstraining regelmässig und langfristig durchgeführt wird.

Besonders geeignet sind Bewegungsübungen in der Gruppe unter Aufsicht eines Sport- und Physiotherapeuten, wie sie zum Beispiel von Selbsthilfegruppen angeboten werden.

Therapiemöglichkeiten

Osteoporose lässt sich besser vermeiden als behandeln. Durch eine medikamentöse Therapie lässt sich nicht nur ein Verlust der Knochenmasse ausgleichen, sondern es kann durch eine Kombination verschiedener Therapiemöglichkeiten der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden und sogar ein Zuwachs an Knochenmasse erzielt werden.

Osteoporose ist in jedem Krankheitsstadium therapierbar.

Für eine wirksame Osteoporose-Behandlung sind folgende Massnahmen erforderlich:

1. Calzium und Vitamin D

Sowohl Calcium als auch Vitamin D sind als Grundlage jeder Osteoporose-Therapie unentbehrlich. Osteoporose Patienten sollten deshalb täglich für eine ausreichende Zufuhr beider Stoffe sorgen. Calcium sollte in einer Menge von 1000 mg täglich, am besten mit einer kalziumreichen Ernährung, zugeführt werden und Vitamin D in einer Menge von mindestens 800 internationalen Einheiten (IE). Für Patienten mit Nierensteinen können andere Empfehlungen gelten.

Mineralwasser (kalziumreiche ab 400 mg/l) und Milch bzw. Milchprodukte (Joghurt, Hartkäse) haben einen besonders hohen Kalziumgehalt.

Der Körper kann selbst Vitamin D bilden, wenn man sich täglich im Freien (UV-Licht) aufhält. Mit dem Alter nimmt jedoch die hauteigene Produktion von Vitamin D im Vergleich zu jüngeren Menschen ab. Da es meist nicht möglich ist, eine genügend hohe Vitamin D-Zufuhr über die Nahrung sicherzustellen, muss oftmals Vitamin D supplementiert werden.

Da die Koordination der Muskelkontraktion u.a. eine der Funktionen des Vitamin D ist, kann durch die Supplementierung auch das Sturzrisiko alter Menschen vermindert werden, wie klinische Studien zeigen.

2. Bewegungstherapie

Bewegung und körperliche Aktivierung wie Muskelaufbau- und Koordinationstraining sind für einen gesunden Knochenstoffwechsel wichtig. Ausserdem werden Durchblutung, Gleichgewichtssinn und Reaktionsvermögen trainiert.

Treppensteigen, Walking, Schwimmen und andere Bewegungsarten werden neben dem Muskelaufbautraining empfohlen.

3. Schmerztherapie

Osteoporose Behandlung braucht Zeit. Die Dauer einer Osteoporosetherapie kann je nach Schweregrad mehrere Jahre dauern.

Unabhängig von der Wahl des Osteoporose-Arzneimittels müssen bei einer mit Schmerzen verbundenen Osteoporose diese ausreichend behandelt werden.

Auch Krankengymnastik kann die Schmerzen lindern.

4. Sturzrisiko vermeiden

Stolperfallen und andere Sturzrisiken im Umfeld des Osteoporose-Patienten wie Türschwellen, freiliegende Kabel oder rutschende Teppiche müssen beseitigt werden. Bei erhöhter Sturzneigung kann ein Hüftprotektor eventuell einen schwerwiegenden Bruch verhindern. Besonders gefährlich ist auch der Sanitärbereich mit Dusche, Badewanne und Toilette. Gute Beleuchtung, Anti-Rutschmatten und Haltegriffe können hier Abhilfe schaffen.

5. Knochenstabilisierende Medikamente

a) Bisphosphonate sind eine Gruppe knochenaufbauender Medikamente, die für diagnostische und therapeutische Zwecke bei verschiedenen Knochen- und Kalziumstoffwechselkrankheiten entwickelt wurden. Heute gehören die Bisphosphonattherapie zur Standardbehandlung der Osteoporose.

Bisphosphonate werden während ein paar Jahren als Tabletten einmal wöchentlich oder einmal monatlich eingenommen. Bisphosphonate werden auch alle 3 Monate injiziert oder einmal jährlich als Infusion verabreicht. Sie hemmen nicht nur den Abbau des Knochens sondern stärken auch noch den vorhandenen Knochen.

b) Raloxifen und Bazedoxifen gehören zu den selektiven Estrogen Rezeptor Modulatoren (SERMs) sind aber selbst kein Hormon. Sie müssen täglich in Tablettenform eingenommen werden. Die Therapiedauer ist individuell unterschiedlich und richtet sich nach dem Schweregrad der Osteoporose. Raloxifen und Bazedoxifen verhindern den weiteren Knochenabbau bei Osteoporose und greifen regulierend in den Knochenstoffwechsel ein.

c) Teriparatid ist ein Bruchstück des körpereigenen Parathormons aus der Nebenschilddrüse. Es fördert den Knochenaufbau, wird täglich unter die Haut gespritzt und maximal über 24 Monate eingesetzt.

d) Denosumab ist ein monoklonaler Antikörper (Eiweiss). Es beeinträchtigt die Wirkung eines anderen Eiweisses und vermindert dadurch den Knochenabbau und erhöht die Knochenmasse und Knochenstärke. Denosumab wird halbjährlich unter die Haut gespritzt.

e) Weibliche Geschlechtshormone (Östrogen / Gestagene) werden bei Wechseljahrsbeschwerden und Osteoporose eingesetzt. Die längerfristige Verabreichung von Östrogenen / Gestagenen kann das Risiko für Brustkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Embolien oder Thrombosen erhöhen.

Über die Möglichkeit einer Hormonersatztherapie (HRT) und deren Dauer muss im Einzelfall entschieden werden.

Was kann ich selbst tun?

Wenn bei Ihnen die Risikofaktoren für eine Osteoporose erhöht sind, können Sie selbst dazu beitragen, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen.

Bewegen Sie sich regelmässig. Körperliche Aktivität und die damit verbundene Belastung der Knochen führen zu einem verstärkten Knochenaufbau.

Ernähren Sie sich kalziumreich. Trinken Sie viel Milch oder essen Sie viel Milchprodukte und Gemüse. Gemüse ist basisch und damit gesund für die Knochen. Als Alternative zu Milchprodukten bieten sich kalziumreiche Mineralwässer an. Vermeiden Sie aber eine übermässige Kalziumzufuhr durch eine unkontrollierte Einnahme von Kalziumpräparaten nach dem Motto «viel hilft viel». Zu viel Calcium kann nämlich die Aufnahme anderer wichtiger Stoffe aus dem Darm beeinträchtigen.

Sorgen Sie für eine ausreichende Versorgung Ihres Körpers mit Vitamin D. Neben Eiern, Milch und Butter enthalten insbesondere Meeresfische viel Vitamin D. Da Vitamin D im Körper durch UV-Bestrahlung selbst gebildet werden kann, sollten ältere Menschen sich täglich im Freien aufhalten.

Vermeiden Sie den übermässigen Genuss von Lebensmitteln mit hohem Phosphatgehalt wie Fleisch, Wurst, Schmelzkäse oder sogenannte Softdrinks wie zum Beispiel Cola-Getränke. Phosphat im Übermass ist ein «Kalziumräuber». Den Phosphatgehalt in Lebensmitteln erkennen Sie an den Stoffkennzeichnungen E338 bis E341 und E450.

  • Trinken Sie Alkohol nur in kleinen Mengen.
  • Verzichten Sie auf das Rauchen. Bei Frauen ist Rauchen ein Risikofaktor für die Osteoporose.
  • Vermeiden Sie es, schwere Gegenstände zu heben oder zu tragen.
  • Beseitigen Sie Stolperfallen in Ihrer Wohnumgebung, zum Beispiel rutschende Teppiche.
  • Tragen Sie rutschfestes, flaches Schuhwerk.
  • Sorgen Sie für eine gute Beleuchtung im Bereich von Fluren oder Treppen. Machen Sie das Licht an, wenn Sie nachts aufstehen.
  • Verlassen Sie bei Glätte Ihre Wohnung nur für dringende Geschäfte.
  • Lassen Sie regelmässig Ihre Sehkraft überprüfen und sorgen Sie für eine optimale Anpassung Ihrer Brille

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