Definition und Symptome der Verstopfung

Was ist Verstopfung?

Von «Verstopfung» spricht man, wenn die Entleerung des Darms über längere Zeit weniger als dreimal pro Woche erfolgt und dann – oft nur unter starkem Pressen – ein vergleichsweise kleinvolumiger, oft harter oder klumpiger Stuhl abgesetzt werden kann. Trotz aller Mühen bleibt häufig noch das Gefühl einer unvollständigen Entleerung, also, gar nicht alles losgeworden zu sein, was raus müsste. Mediziner sprechen in solchen Fällen von «Obstipation».

Leidet der Darm unter Transportproblemen, leidet auch der Mensch. Er fühlt sich unwohl und übersättigt, belastet durch unangenehme Völlegefühle und einen schmerzhaft geblähten Bauch. Die oft mühsame, mitunter als qualvoll erlebte Stuhlentleerung verstärkt häufig noch den Leidensdruck. Auch wenn diese Beschwerden meist harmloser Natur sind, fühlen sich die Betroffenen in ihrer Lebensqualität oft erheblich beeinträchtigt. Eine adäquate Behandlung kann Erleichterung bringen.

Verstopfung - ein häufiges Problem

Bei einer Verstopfung handelt es sich um ein ausgesprochen häufiges Symptom, unter dem in den Industriestaaten bis zu 15 Prozent der Bevölkerung leiden, wobei Frauen dreimal häufiger betroffen sind (ca. 15%) als Männer (5%). Dass gerade Frauen so oft mit Verdauungsproblemen zu kämpfen haben, kann auch mit dem Einfluss des weiblichen Hormonhaushalts auf die Darmfunktionen zu tun haben. So leidet mindestens ein Drittel der werdenden Mütter in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft unter Verstopfung.
Mit zunehmendem Alter zeigt sich ein deutlicher Anstieg in der Rate der Betroffenen, wobei Männer in der Regel erst nach dem 60.Lebensjahr vermehrt unter Verdauungsproblemen leiden.

Welche Ursachen können zu Verstopfung führen?

Lebensstil-bedingte (habituelle) Verstopfung: Wenn ungesunder Lebensstil die Darmträgheit fördert

Es gibt zahlreiche Gründe, warum die Verdauung gelegentlich Probleme bereiten kann. Verstopfungen sind in den meisten Fällen harmlos und nicht durch organische oder krankheitsbedingte Gründe, sondern viel häufiger durch ungesunden Lebensstil oder Veränderungen im gewohnten Alltag verursacht. Beides kann unsere Verdauung beeinträchtigen und die Darmtätigkeit aus dem Gleichgewicht bringen. Zu den Auslösern können eine ballaststoffarme Ernährung (zu wenig Gemüse, Reis oder Vollkornprodukte), ungenügende Flüssigkeitsaufnahme, ein vorwiegend sitzender Lebensstil, aber auch zu wenig Bewegung gehören.

Da der Darm ausgesprochen sensibel auf körperliche und seelische Befindlichkeitsstörungen reagiert, können Verstopfungen bei entsprechender Neigung auch durch Alltagshektik, Probleme und Stress oder Reisen ausgelöst werden. Nicht ratsam ist es zudem, den Stuhlgang aus Zeitdruck (z.B. wegen Sitzungsterminen, dringender Telefonate) immer wieder zu unterdrücken. Abgesehen davon, dass sich der trocken und hart werdende Stuhl später oft nur noch mühsam ausscheiden lässt, wird dem Darm die Trägheit quasi «antrainiert», wenn das Entleerungsbedürfnis häufig ignoriert wird.

 

Die möglichen Ursachen für Darmträgheit und Verstopfung sind vielfältig:

  • zu geringe Flüssigkeitszufuhr (< 1 L)
  • ballststoffarme und/oder einseitige Ernährung (Diäten)
  • vorwiegend sitzender Lebensstil in Beruf und Freizeit
  • häufiges Reisen (Zeitverschiebung, ungewohnte Kost, gewöhnungsbedürftige Toiletten)
  • psychische Faktoren wie Stress und Alltagshektik
  • häufiges Unterdrücken des Stuhlreflexes
  • mangelnde Bewegung
  • längere Bettlägerigkeit
  • spezielle Lebenssituationen wie Schwangerschaft oder hohes Alter

Chronische Verstopfung

Chronische Verdauungsbeschwerden sind dagegen weniger durch Lebensstil und Ernährung begründet, sondern können auch andere Ursachen haben wie eine verlangsamte Dickdarmpassage (Slow- Transit) mit verminderter Stuhlfrequenz, entzündliche Veränderungen der Darmschleimhaut (Divertikulitis) oder Entleerungsstörungen mit schmerzhaftem Stuhlgang (anorektale Obstipation), die vor allem durch krankhafte Veränderungen im Bereich des Enddarms ausgelöst werden. Dies können beispielsweise Hämorrhoiden oder Verletzungen am Schliessmuskel sein, die durch häufiges Pressen beim Absetzen des harten Stuhls entstehen, oder andere organisch bedingte Ursachen.

Verstopfungen treten auch häufig als Nebenwirkung zahlreicher Medikamente auf. Dazu gehören zum Beispiel:

  • starke Schmerzmittel wie Opioide
  • Antidepressiva
  • Blutdrucksenker (Betablocker, Calciumantagonisten, Diuretika)
  • Säureblocker
  • Eisenpräparate
  • Medikamente gegen Epilepsie und Parkinson
  • Codein

In solchen Fällen ist es ratsam, den Hausarzt zu konsultieren, um die Therapie entsprechend anzupassen oder durch ein geeignetes Abführmittel zu ergänzen.

Wie die Verdauung funktioniert

Mit dem Begriff «Verdauung» werden sämtliche Vorgänge im Körper umschrieben, die mit der Nahrungsverwertung zusammen hängen.

Der Verdauungsprozess beginnt mit dem Zerkleinern der festen Nahrungsbestandteile im Mund. Von dort werden Speisebrei und Getränke über die Speiseröhre in den Magen transportiert, wo die Nahrungsbestandteile durch die Muskelkontraktionen des Organs mit den Magensäften durchmischt, homogenisiert und angedaut werden, um dann portionenweise in den bis zu 5 m langen Dünndarm zu gelangen.
Dort wird die im Magen begonnene Verdauungsarbeit fortgesetzt. Die in den Dünndarm abgegebenen Verdauungssäfte aus Bauchspeicheldrüse und Galle setzen Kohlenhydrate, Eiweisse, Fette sowie Vitamine und Mineralstoffe aus dem Speisebrei frei. Die wellenartigen Kontraktionen der glatten Darmmuskulatur sorgen dafür, dass der Darminhalt immer wieder durchmischt und langsam in Richtung Dickdarm geschoben wird. Unterwegs werden die Nährstoffe über die Schleimhaut des Dünndarms aufgenommen und in die Blutbahnen abgegeben.

Die vom Dünndarm nicht verwertbaren Nahrungsbestandteile (z.B. aus pflanzlichen Lebensmitteln stammenden Nahrungsfasern, auch Ballaststoffe genannt) gelangen sukzessiv in den 1 bis 1.5 m langen Dickdarm, wo sie von den im Dickdarm lebenden, mehr als 10 Billionen(!) Bakterien erneut bearbeitet und verwertet werden. Sie sind unverzichtbare Helfer für unsere Verdauung, da sie über besondere bakterienspezifische Enzyme verfügen, die dem Darm die Verwertung schwer verdaulicher Nahrungsmittel erst möglich machen.

Die von den Darmbakterien gewonnenen Nährstoffe dienen den Zellen des Dickdarms als wertvolle Energiequelle, fördern zugleich aber auch die Vermehrung der für die Darmgesundheit so wichtigen Bakterienpopulation.

Eine gesunde Bakterienvielfalt trägt mit dazu bei, dass sich das Stuhlvolumen erhöht, die Darmaktivität angeregt und die Dickdarm-Passage beschleunigt wird. Während die rhythmischen Kontraktionen des Darms den Stuhl in Richtung Ausgang, also zum sogenannten Enddarm (Rectum) hin befördern, werden die unverdaulichen Reste durch den Entzug von Wasser, Mineralien und Salzen weiter eingedickt, im Mastdarm gesammelt und schliesslich über den Enddarm ausgeschieden.

Stuhlentleerung - aber was ist «normal»?

Wie langsam oder schnell die Nahrung den Verdauungsprozess durchläuft, ist individuell sehr variabel und hängt unter anderem vom Füllungsdruck des Darms und damit von der Art, Menge und Regelmässigkeit der Ernährung ab. Ein ballaststoffreicher, grossvolumiger Stuhl mit hohem Gewicht, der die Darmwände dehnt, regt den Darm zu Kontraktionen an und schiebt den Darminhalt rascher dem Ausgang zu. Eine faserarme, fettreiche, zu süsse Kost wird das Stuhlvolumen dagegen verringern und die Darmpassage verlängern. Optimal ist eine Darm-Transitzeit des Stuhls von 24 bis 36 Stunden. Als normal gelten ein bis drei tägliche bis zu dreimal wöchentliche Entleerungen.

Was gegen Verstopfung helfen kann

In erster Linie sollten die möglichen Ursachen für die Beschwerden erkundet und versucht werden, den Lebensstil nach Möglichkeit entsprechend anzupassen. Zu den ersten, oft sehr effizienten Massnahmen gegen Verstopfung gehören eine darmfreundliche Ernährung, genügend Bewegung und weniger Alltagsstress, aber auch mehr Gelassenheit im Umgang mit sich und der Umwelt.

8 Tipps für eine gesündere Verdauung

Die nachfolgenden Tipps können helfen, den Darm wieder in Schwung zu bringen, Verstopfungsprobleme zu lösen und so das körperliche Wohlbefinden zu fördern:

Essen Sie täglich genügend Ballaststoffe

Ballaststoffe oder Nahrungsfasern sind unverdauliche Bestandteile, die nur in pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Vollkorngetreide vorkommen. Aufgrund ihres hohen Wasserbindungsvermögens quellen sie im Darminnern auf und machen den Stuhl geschmeidiger, lockerer und voluminöser, was die Darmtätigkeit anregt und die Darmentleerung fördert. Da eine plötzliche Ernährungsumstellung auf faserreiche Nahrung vermehrt zu Blähungen führen kann, rät die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung, den Darm langsam an die neue Kost zu gewöhnen und zunächst mit einem täglichen Frühstücksmüesli aus Getreideflocken, Obst und Joghurt zu beginnen.

Gute Ballaststofflieferanten sind:

  • Vollkornprodukte, Kartoffeln, Naturreis
  • Obst (Pflaumen, Birnen, Äpfel, Melonen, Aprikosen, Feigen und Dörrfrüchte)
  • Aller Arten von Gemüse, Hülsenfrüchte, Müsli und Nüsse
  • Wichtig: auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr (mind. 2 Liter/Tag) achten

Auf Weissmehl und Zucker verzichten

Lebensmittel wie Weissbrot, Kuchen und Teigwaren sowie zuckerhaltige Speisen und Schokolade sollte man bei häufig auftretenden Verdauungsproblemen seltener zu sich nehmen, da sie die Darmpassage verlangsamen und Verstopfungen fördern können.

Einseitige Ernährung meiden

Verzichten Sie möglichst auf einseitige Ernährung, unnötige Diäten, Fastfood oder industriell hergestellte Fertigprodukte. Sie enthalten oft zu viel Fett und Zucker und zu wenig Ballaststoffe, die für eine gesunde Verdauung wichtig sind.

 

Langsam essen

Nehmen Sie sich genügend Zeit für die Mahlzeiten, kauen Sie gut und essen Sie langsam; das fördert die Verdauung.

Genügend trinken

Täglich sollten Sie über den Tag verteilt mindestens zwei Liter Wasser, Mineralwasser, ungesüssten Kräutertee oder auch verdünnten Fruchtsaft trinken. Am besten bereitet man sich die entsprechende Menge vor und stellt sie in Reichweite. Ein ausgewogener Flüssigkeitshaushalt hält den Stuhl weich und geschmeidig und ist für den Organismus wichtig. Oft hilft bereits ein Glas lauwarmes Wasser, das morgens auf nüchternen Magen getrunken wird, den Stuhldrang auszulösen.

Achten Sie auf regelmässige Bewegung

Bewegen Sie sich täglich mindestens 30 Minuten an der frischen Luft. Ob Velofahren, Gehen, Joggen, Treppensteigen, Schwimmen, Morgengymnastik oder Krafttraining – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich körperlich zu betätigen und damit auch die Darmtätigkeit zu unterstützen.

Erziehen Sie den Darm zur Pünktlichkeit

Der Stuhldrang sollte nicht ignoriert werden. Nehmen Sie sich die Zeit, regelmässig morgens oder abends zur selben Zeit auf die Toilette zu gehen; so kann sich Ihr Darm auf den Rhythmus einstellen.

Mehr Gelassenheit hilft auch dem Darm

Als hochsensibles Organ reagiert der Darm sehr empfindlich auf Stress und Hektik. Nutzen Sie Entspannungstechniken (Yoga, autogenes Training oder Meditation), um berufliche Anspannung und Stress abzubauen und innere Ruhe zu finden.

Gezielte Behandlungsmöglichkeiten bei Verstopfung

Sollte die Umstellung des Lebensstils mit Ernährungsumstellung, vermehrter Flüssigkeitszufuhr und Bewegung auch über längere Zeit nicht oder nicht schnell genug zum Erfolg führen, kann die kurzzeitige Einnahme verträglicher, sanfter Abführmittel (Laxantien) helfen, die Darmtätigkeit anzuregen.

Die meisten Abführmittel wirken durch eine Erhöhung des Wassergehalts im Stuhl. Dadurch werden das Stuhlvolumen und die Stuhlgeschmeidigkeit erhöht und so Darmtätigkeit und Stuhlentleerung verbessert. Heute ist eine Vielzahl unterschiedlichster Laxantien verfügbar; am besten Sie lassen sich von Ihrem Hausarzt oder in Ihrer Apotheke beraten.

Natürliche Füll- und Quellstoffe

Wenn die Wirkung einer ballaststoffreichen Ernährung nicht ausreicht, können bei leichteren Verstopfungssymptomen auch zusätzliche Quellmittel mit gutem Erfolg verwendet werden. Sie machen den Stuhl weich und gleitfähig und fördern die Darmpassage. Dazu gehören pflanzliche Substanzen wie Leinsamen, Weizenkleie und Flohsamen, deren Einsatz oft auch bei Reizdarmsymptomen empfohlen wird. Damit diese Substanzen ihr Quellvermögen richtig entfalten können, ist besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (pro Esslöffel Weizenkleie ca. 150 ml Flüssigkeit) zu achten. Am besten lässt man sie über Nacht in Flüssigkeit vorquellen, bevor sie beispielsweise dem Müesli zugegeben werden. Als Nebenwirkung können vorübergehend Blähungen auftreten. Leinsamen, Weizenkleie und Flohsamen sind auch zur Verdauungsförderung bei Schwangerschaft geeignet.

Anwendung

  • Stuhlregulierung bei einer Verstopfung
  • Für die Langzeitbehandlung geeignet
  • Auch in der Schwangerschaft einsetzbar

Osmotisch wirkende Laxantien

Unter den Abführmitteln kommen osmotisch wirkende Substanzen besonders häufig zum Einsatz. Ein Vertreter dieser Gruppe sind die Macrogole. Diese Substanzen bestehen aus grossen Molekülstrukturen, die aus einer oder mehreren, sich wiederholenden, gleichen Einheiten zusammengesetzt sind.

Macrogole haben sich als Abführmittel bewährt und gelten bei leichter und chronischer Verstopfung als Mittel der ersten Wahl. Aufgrund ihres hohen Wasserbindungsvermögens vergrössern sie das Stuhlvolumen, regen die Darmaktivität an und beschleunigen den Stuhltransport. Der weiche, geschmeidige Stuhl erleichtert die Darmentleerung. Da Macrogol seine Wirkung ausschliesslich im Darm entfaltet und nicht abgebaut wird, kann es auch bei Verstopfungen im Kindesalter sowie in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Die Substanz wird in Wasser gelöst eingenommen; die Wirkung ist nach 24 bis 48 Stunden zu erwarten. Weitere Vertreter dieser Laxantiengruppe sind Lactose und Lactulose, die im Vergleich zu Macrogol allerdings im Dickdarm abgebaut werden. Nebenwirkungen wie Blähungen und Durchfall, die zu Beginn der Einnahme auftreten können, werden hier häufiger beobachtet als unter Macrogol-Präparaten, die als besser verträglich gelten.

Empfehlungen

  • Vor einer langfristigen Einnahme von Abführmitteln sollten Sie bitte immer Ihren Arzt konsultieren
  • Wichtig ist, die Dosierungsempfehlungen einzuhalten
  • Falls Sie feststellen, dass Ihnen Abführmittel nicht helfen und weiterhin Verstopfungssymptome bestehen, sollten Sie sich unbedingt erneut an Ihren Arzt wenden

Ein verlässliches Gedärm ist für den Menschen gelegentlich mehr wert als jede Menge Gehirn

Josh Billings (1818 - 1885); US-amerikanischer Schriftsteller und Humorist

Weiterführende Literatur, nützliche Links

Magen- und Darmerkrankungen natürlich behandeln
Dr. Andrea Flemmer
Schlütersche Verlagsgesellschaft GmbH & Co
Hannover, 2011
ISBN 978-3-89993-618-6


Ernährungsratgeber Magen und Darm
Sven-David Müller, Christiane Weissenberger

Schlütersche Verlagsgesellschaft GmbH & Co
Hannover, 2. Auflage, 2012
ISBN 978-3-89993-626-1


Schweizerische Gesellschaft für Ernährung
Schwarztorstr. 87
3001 Bern
www.sge-ssn.ch


Magendarmliga Schweiz
Postfach 2705
3001 Bern
www.gastromed.ch

Unser Ratgeber als Download

Entdecken Sie unseren Ratgeber als Download oder bestellen Sie ihn als Broschüre.